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Eine Seilbahn durch die Stadt: Grünes Licht für konkrete Vorplanung
Gemeinderat schiebt Zukunftsprojekt im ÖPNV an
Heilbronn könnte die erste Kommune in Baden-Württemberg werden, die eine Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs umsetzt. Nach einer positiven Machbarkeitsstudie hat sich der Gemeinderat am 3. April 2025 für die Weiterverfolgung der Planungen ausgesprochen. Oberbürgermeister Harry Mergel sieht in dem Projekt „eine große Chance, Heilbronn als Zukunftsstadt weiterzuentwickeln“ und betont, dass die Stadt mit dem flächensparenden und klimaschonenden Konzept bundesweit eine innovative Vorreiterrolle im Bereich Mobilität einnehmen könnte.
Die bevorzugte Variante der städtischen Planer sieht vor, dass die Seilbahn auf einer rund 4,7 Kilometer langen Strecke mit fünf Stationen von der Innenstadt Richtung Norden fährt. Startpunkt ist eine Fläche vor dem Experimenta-Parkhaus in direkter Nähe zum Hauptbahnhof. Weitere Stationen sind der Bildungscampus West, der Zukunftspark Wohlgelegen, ein Park & Ride-Parkplatz auf Höhe des Friesland/Campina-Areals und der neu entstehende Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) im Areal Steinäcker. In 14 Minuten soll man bis zum IPAI gelangen, in der gleichen Zeit zurück in die Innenstadt. Die maximale Fahrgastkapazität beträgt 1500 Personen pro Richtung und Stunde. Und: Eine Verlängerung der Strecke zum Beispiel zum Industriepark Böllinger Höfe wird als sinnvolle Option eingestuft.
Schnelle und komfortable Ergänzung zum bestehenden Nahverkehr
Für die Menschen in Heilbronn soll die Seilbahn „eine schnelle, zuverlässige und komfortable Ergänzung zum bestehenden Nahverkehrsangebot sein“, erklärt OB Mergel. Durch sie könnten wichtige Stadtteile verbunden und an mehreren Stationen Umsteigemöglichkeiten zu Bussen, Stadtbahnen und weiteren Verkehrsangeboten geschaffen werden. Zudem ist geplant, dass gängige Nahverkehrstickets wie das Deutschlandticket sowie Einzel- und Tageskarten auch in der Seilbahn gültig sind.
Technisch umsetzbar ist die favorisierte Trasse nach Einstufung des beauftragten Beratungsunternehmens für Bau- und Infrastrukturprojekte Drees & Sommer aus Stuttgart. Über Wohngebiete sollen die Seilbahngondeln mit Platz für bis zu zehn Personen nicht geführt werden, sondern über öffentliche und Gewerbeflächen. Auch bei der Frage der Wirtschaftlichkeit hat eine erste Nutzen-Kosten-Untersuchung der Fachberater mit einem Wert von 1,27 ergeben, dass der volkswirtschaftliche Nutzen des Projekts die Kosten übersteigt. Ein Wert größer 1 ist bei Infrastrukturprojekten Grundlage für die Förderfähigkeit eines Vorhabens. Mit Blick auf notwendige Fördermittel ist die Stadt in Gesprächen mit Bund und Land.
Das grüne Licht für die konkrete Seilbahn-Vorplanung ist das Ergebnis eines längeren Auswahlverfahrens der städtischen Fachbehörden. Insgesamt wurden mehr als 15 Verkehrsträger untersucht, unter anderem eine Schwebebahn, Stadtbahn, Fähren, Passagierdrohnen, eine Minimetro oder ein spezielles führerloses Personentransportsystem.
Innerstädtische Seilbahnen gibt es in Europa beispielsweise in London, Ankara, Barcelona oder Toulouse. In Paris soll eine ähnlich lange Seilbahnstrecke wie die geplante Trasse in Heilbronn in diesem Jahr in den Testbetrieb gehen.