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Straßennamen auf dem Prüfstand
Heilbronn geht konsequent gegen NS-Belastung im Stadtbild vor
Der öffentliche Raum ist Ausdruck gemeinsamer Werte – auch in der Erinnerungskultur. In Heilbronn tragen bis heute mehrere Straßen die Namen von Persönlichkeiten, die nachweislich in das nationalsozialistische Regime verstrickt waren. Eine wissenschaftliche Untersuchung hat diese Fälle nun umfassend aufgearbeitet. Auf Grundlage des Gutachtens der Historikerin Dr. Susanne Wein sowie der Empfehlungen einer unabhängigen Expertenkommission hat der Heilbronner Gemeinderat deshalb in seiner heutigen Sitzung, 3. April, beschlossen in sieben Fällen ein Verfahren zur Umbenennung betroffener Straßennamen einzuleiten. Ziel ist es, keine öffentliche Ehrung aufrechtzuerhalten, wo eine schwere NS-Belastung vorliegt.
Folgende Straßen sind betroffen:
• August-Lämmle-Straße
• Damaschkestraße
• Dühringstraße
• Felix-Wankel-Straße
• Georg-Vogel-Straße
• Ina-Seidel-Straße
• Rombachstraße
Die Bewertung basiert auf klar definierten Kriterien, darunter frühe NSDAP-Mitgliedschaft („Alte Kämpfer“), aktive Förderung des Regimes, persönlicher Nutzen oder der vertuschende Umgang mit der eigenen Biografie nach 1945. In weiteren 27 Fällen wird eine Kommentierung im Sinne historischer Einordnung empfohlen.
Anhörungsverfahren und neue Namensvorschläge
Vor jeder Umbenennung erfolgt ein schriftliches Anhörungsverfahren, in dem die Interessen der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner berücksichtigt werden. Das Stadtarchiv wird zudem öffentliche Informationsveranstaltungen anbieten. Die endgültige Entscheidung über jede Umbenennung trifft der Gemeinderat unter Abwägung aller für oder gegen die Umbenennung sprechenden Gründe und der Interessen der Betroffenen.
Als neue Namensgeber sollen Persönlichkeiten in Betracht gezogen werden, die sich dem NS-Regime widersetzt haben oder dessen Opfer wurden – darunter Fritz Bauer, Georg Elser, Else Josenhans oder Paula Straus. Die Verwaltung überprüft derzeit die Liste möglicher neuer Namensgeber auf ihre Eignung.